Bhagavad Gita: 13. Die Unterscheidung Zwischen

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Dem Körper Als Dem

Felde Und Der Seele Als Dem Kenner Des Feldes

Das Feld Und Der Kenner Des Feldes

Arjuna sagte: prakrti und puruşa, das Feld und den Kenner des Feldes, das Wissen und den Gegenstand des Wissens, diese möchte ich gerne kennenlernen, o Keśava (Kŗşna).

In einigen Ausgaben fehlt diese Strophe. Ś. Kommentiert sie nicht. Wird sie miteingerechnet, so beläuft sich die Gesamtzahl der Bhagavadgîtâ-Strophen auf 701 und nicht auf 700, welches die durch die Überlieferung angenommene Zahl darstellt. Wir rechnen sie daher bei der Strophenzählung nicht mit.

Der Erhabene sagte: Dieser Körper, o Sohn der Kunti (Arjuna), wird das Feld genannt, und ihn, der dieses kennt, nennen die Wissenden den Kenner des Feldes. (13.01)

Erkenne mich, o Bhârata (Arjuna), als den Kenner des Feldes in allen Feldern. Das Wissen vom Felde und seinem Kenner erachte ich als wahres Wissen. (13.02)

Höre nun in Kürze von mir, was das Feld ist, von welcher Art es ist, welches seine Umwandlungen sind, woher es stammt, was er (der Kenner des Feldes) ist, und welche Kräfte er besitzt. (13.03)

Die Bestandteile Des Feldes

Dies ist von den Weisen auf vielfache Art und einzeln in verschiedenen Hymnen besungen worden und ebenso in den wohlbegründeten und überzeugenden Formulierungen der Lehrsprüche über das Absolute (brahmasûtra). (13.04)

Die großen (fünf groben) Elemente, der Selbst-Sinn, die Vernunft und ebenso das Nicht-Offenbare, die zehn Sinne und das Denkorgan und die fünf Sinnesobjekte; Begierde und Haß, Freude und Leid, das Aggregat (der Organismus), die Intelligenz und die Standhaftigkeit: damit ist in Kürze das Feld mit seinen Umwandlungen beschrieben. (Siehe 7.04) (13.05-06)

Wissen

Demut (Nicht-Stolz), Unbescholtenheit (Nicht-Täuschung), Gewaltlosigkeit, Geduld, Aufrichtigkeit, dienende Verehrung des Lehrers, Reinheit (von Körper und Geist), Beständigkeit und Selbstbeherrschung, Gleichgültigkeit gegenüber allen Sinnesobjekten, Selbstaufgabe und Einsicht in das Übel von Geburt, Tod, Alter, Krankheit und Leiden, (13.07-08)

Nicht-Anhänglichkeit, Nichthaften an Sohn, Weib und Heim und dergleichen, un andauernder Gleichmut gegenüber allen erwünschten und unerwünschten Vorfällen, unerschütterliche Hingabe an mich in vollkommener Selbstzucht, Aufsuchen einsamer Orte, Abneigung gegen Ansammlungen von Menschen. Beharrlichkeit in der Erkenntnis des Geistes, Einsicht in das Endziel des Wissens von der Wahrheit: dies wird als (wahres) Wissen bezeichnet, und alles, was davon verschieden ist, gilt als Nicht-Wissen. (13.09-11)

Ich will dir beschreiben, was das zu Wissende ist, welches wissend man das ewige Leben erwirbt. Es ist das höchste Brahman, welches anfanglos ist und weder als seiend noch als nichtseiend bezeighnet wird. (Siehe 9.19, 11.37, und 15.18) (13.12)

Der Kenner Des Feldes

Alles umhüllend wohnt es in der Welt, mit Händen un Füßen überall, mit Augen, Köpfen und Gesichtern allerorts, mit Ohren allerorts. (10.13)

Es scheint die Eigenschaften aller Sinne zu haben und ist doch ohne (irgendeinen) Sinn; es hängt an nichts und trâgt doch alles, ist frei von den gunas (Erscheinungsformen der prakrti), und genießt sie dennoch. (13.14)

Es ist außerhalb und innerhalb aller Wesen. Es ist unbeweglich und doch beweglich. Es ist zu fein, um erkannt zu werden. Es ist ferne und dennoch nahe. (13.15)

Es ist ungeteilt (unteilbar) und scheint doch unter die Wesen aufgeteilt zu sein. Man erkenne es als das, was die Geschöpfe erhält, vernichtet und neu erschafft. (Siehe 11.13, und 18.20) (13.16)

Es ist das Licht der Lichter. Es wird jenseits der Finsternis weilend genannt. Das Wissen, das Objekt des Wissens und das Ziel des Wissens: Es ruht in den Herzen aller. (Siehe 18.61) (13.17)

Die Frucht Der Erkenntnis

So ist nun das Feld, das Wissen und das Objekt des Wissens in Kürze beschrieben worden. Wer mir hingegeben ist und dies versteht, wird meines Zustandes würdig werden. (13.18)

Natur Und Geist

Wisse, daß prakrti (Natur) und puruşa (Seele) beide anfanglos sind; und wisse auch, daß die Gestaltungen und die Erscheinungsweisen aus der prakrti (Natur) geboren werden. Die Natur gilt als Ursache von Wirkung, Werkzeug und Täter (sein); die Seele gilt als Ursache hinsichtlich des Erlebens von Freude und Scherz. (13.19-20)

Die Seele genießt in der prakrti die Erscheinungsweisen der Natur. Ihr Hangen an den Erscheinungsweisen ist die Ursache für ihre Geburten in gutem oder schlechtem Mutterschoße. (13.21)

Der höchste Geist in diesem Körper wird der Zuschauer, der Zulasser, der Erhalter, der Genießer, der große Herr und das höchste Selbst genannt. (13.22)

Wer so die Seele (puruşa) und die Natur (prakrti) zusammen mit den Erscheinungsweisen kennt, wird nicht wiedergeboren, obschon er in jedem Falle handelt. (13.23)

Verschiedene Wege Zur Erlösung

Manche shauen das Selbst durch das Selbst in dem Selbst mittels der Meditation; andere mittels des Wissenspfades und andere wieder mittels des Werkpfades. (13.24)

Noch andere, die dessen (dieser Yoga-Pfade) unkundig sind, hören von anderen und üben Verehrung; und auch sie überqueren den Tod mittels ihrer Hingabe an das, was sie gehört haben. (13.25)

Welches Wesen, beweglich oder unbeweglich, auch immer geboren wird, wisse, o bester der Bharatas (Arjuna), daß es aus der Vereinigung des Feldes mit dem Kenner des Feldes (entsprungen) ist. (Siehe 7.06) (13.26)

Wer in allen Wesen in gleicher Weise den höchsten Herrn wohnen sieht, der unvergänglich ist, während sie vergehen, dieser sieht in Wahrheit. (13.27)

Denn, da er den Herrn überrall in gleicher Weise gegenwärtig sieht, verletzt er sein wahres Selbst nicht durch das Selbst und gelangt so zum höchsten Ziele. (13.28)

Wer einsieht, daß alle Handlungen nur von der Natur (prakrti) vollzogen werden, und ebenso, daß das Selbst nicht der Täter ist, dieser sieht in Wahrheit. (Siehe 3.27, 5.09, und 14.19) (13.29)

Wenn er einsieht, daß das (vielfältige) Einzelsein der Wesen inmitten des einen gelagert ist und sich von ihm her ausbreitet, erlangt er das Brahman. (13.30)

Da dieses unvergängliche höchste Selbst ohne Anfang, ohne Eigenschaften ist, handelt es nicht, o Sohn der Kunti (Arjuna), noch wird es befleckt, obgleich es im Körper verweilt. (13.31)

Wie der alldurchdringende Äther auf Grund seiner Feinheit nicht befleckt wird, so erleidet auch das Selbst, das in jedem Körper vorhanden ist, keine Befleckung. (13.32)

Wie die eine Sonne diese ganze Welt erleuchtet, so erleuchtet der Herr des Feldes dieses ganze Feld, o Bhârata (Arjuna). (13.33)

Wer so mit dem Auge der Weisheit den Unterschied zwischen dem Felde und dem Kenner des Feldes und die Erlösung der Wesen aus der Natur (prakrti) wahrnimmt, dieser gelangt zum Höchsten. (13.34)

Dies ist das dreizehnte Kapitel, genannt: Der Yoga der Unterscheidung zwischen dem Felde und dem Kenner des Feldes.